Alte Kantonsschule Zürich
Die alte Kantonsschule Zürich ist eines der schönsten Gebäude von Zürich. Sie ist der wohl wichtigste Bau des Schweizer Architekten Gustav Albert Wegmann (1812 - 1858).

Buchbesprechung: Der Architekt Gustav Albert Wegmann
G.-W. Vonesch, Der Architekt Gustav Albert Wegmann (1812-1858) Zürich 1981
Nach der freisinnigen Revolution 1831/32 hatte die Stadt Zürich, erlöst von ihrer Vormachtstellung im Kanton, eine ökonomische und bauliche Prosperität erlebt, die schliesslich in die erste Eingemeindung der Vororte 1892 führte. Die Stadt brachte, gefördert durch diese Entwicklung, für die Bewältigung der anfallenden Bauaufgaben teils gute eigene Architekten hervor, teils zog sie fremde Architekten an. Zu den zweiten gehören Namen wie Ferdinand von Ehrenberg (1806-1841), Luigi Negrelli (1799-1858) und vor allem Gottfried Semper (1803-1879). Bei den ersten finden wir die Stadler-Dynastie mit mindestens drei bekannten Baumeistern, Wilhelm Waser (1811-1866), Leonhard Zeugheer (1812-1866), Johann Jakob Breitinger (1814-1880) und eben Gustav Albert Wegmann. Es ist richtig und verdankenswert, dass sich gerade die Zürcher Hochschulen um die wissenschaftliche Erforschung der Baugeschichte der Stadt bemühen, da besonders Zürichs bauliche Entwicklung im 19. Jahrhundert als schweizerischer Modellfall dienen kann, weist sie doch alle wesentlichen Züge auf, ohne sich als «Spezialfall» präsentieren zu müssen. Im Verlauf der letzten Jahre sind Dissertationen über die Familie Stadler, über Semper und neuerlich über G.A. Wegmann erschienen. Zeugheers Nachlass ist erforscht, und Biographien über Negrelli und Waser sind ausserhalb der Hochschulen publiziert worden. Umfassendere Arbeiten über Ehrenberg und Breitinger stehen leider noch aus. In dieser Situation ist es deshalb besonders wichtig, eine Publikation zu erhalten, die die neueren Gesichtspunkte und Forschungsergebnisse anderer mit berücksichtigt und so Querbezüge zum Umfeld erlaubt. Voneschs Arbeit tut das weitgehend. In bemerkenswert knapper Weise werden Wegmanns Leben, die bestdokumentierten seiner Werke und der Versuch einer Einordnung Wegmanns in seine Zeit und Umgebung vorgestellt. Vonesch fügt dem Ganzen ein chronologisches Werkverzeichnis und einen reichen Abbildungsteil bei. Besonders verdienstvoll ist der Versuch, in einem Abschnitt «Aspekte der Technik in Wegmanns Werk» den technologischen und zivilisatorischen Neuerungen in der ersten Jahrhunderthälfte das Gewicht beizumessen, das diesem Bereich des Fortschritts und der Zeitprägung zukommt oder, besser, auch in anderen Publikationen zukommen musste. Es ist dies umso erfreulicher, als der Autor als Kunsthistoriker an diesen Belangen vorbeisehen könnte, ohne auf Protest zu stossen. Die «Wissenschaft» verlangt offenbar weit mehr Ausweise intimer Detailkenntnisse als Beweise eines offenen Überblicks, weit mehr Aufgezähltes als Bearbeitetes, aber dennoch gelingt es dem Autor, zwischen allem offenbar Notwendigen zu zeigen, dass er sein Material zu ordnen und zu gestalten weiss. So wird die Zürcher Kantonsschule zur eigenständigen Leistung und gerät ihm nicht zur (blossen) Kopie von Schinkels Bauakademie. Möchten doch noch weitere Architekten dieser Epoche solche Monographien erhalten. Das Material dazu ist in überreichem Masse vorhanden!




Weitere Bauten von Wegmann sind:
Die Mädchenschule beim Grossmünster (erbaut 1852–1853).


Der Bahnhof Zürich (erbaut 1846–1847 und abgerissen 1865).


Quellen und weiterführende Artikel:


